KI-Wissen: Wer es nicht hat, verliert Kunden.
8. Juni 2026

EU AI Act: Wann Texter, Designer und Kreative von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind

Ab dem 2. August 2026 gilt die KI-Kennzeichnungspflicht in der gesamten EU. Viele Kreative, Texter, Designer, Übersetzer und Journalisten fragen sich: Betrifft mich das? Muss ich jeden Text, jedes Bild, jedes Design kennzeichnen, wenn ich KI-Tools verwendet habe?

Die Antwort ist differenzierter als die meisten Artikel zum Thema vermuten lassen. Und sie ist für viele Kreative eine gute Nachricht.

Was der EU AI Act tatsächlich von Kreativen verlangt

Der EU AI Act regelt in Artikel 50 die Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte. Die Grundregel lautet: Wer Inhalte veröffentlicht, die wesentlich durch KI erzeugt wurden, muss das kennzeichnen.

Aber die Verordnung enthält eine wichtige Ausnahme, die speziell für kreative und redaktionelle Arbeit relevant ist.

Die Kennzeichnungspflicht für Texte entfällt, wenn diese von einem Menschen überprüft oder redaktionell kontrolliert wurden und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt.

Das bedeutet: Wer KI als Werkzeug einsetzt, den Inhalt aber selbst prüft, bewertet, überarbeitet und für ihn einsteht, ist von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Was "redaktionelle Kontrolle" konkret bedeutet

Das ist die Frage, die in der Praxis am meisten diskutiert wird. Denn der EU AI Act gibt keine exakte Definition, ab wann eine Kontrolle ausreichend ist.

Was klar nicht ausreicht: KI-generierten Text kurz überfliegen und veröffentlichen. Das ist keine redaktionelle Kontrolle im Sinne der Verordnung.

Was ausreicht: Den Inhalt inhaltlich prüfen, Aussagen verantworten, den Text überarbeiten wo nötig, und als Person dafür einzustehen, dass der veröffentlichte Inhalt korrekt und verantwortungsbewusst ist.

Der Geist der Regelung ist eindeutig: Es geht darum, ob ein Mensch wirklich Verantwortung übernommen hat, nicht darum, ob KI beteiligt war.

Was das für Texter und Copywriter bedeutet

Für Texter und Copywriter, die KI als Unterstützung im Schreibprozess einsetzen, gilt: Wer den finalen Text selbst prüft, die Aussagen verantwortet und seinen Namen dafür hergibt, ist compliant.

Das betrifft typische Workflows wie das Nutzen von KI für erste Entwürfe, die dann menschlich überarbeitet werden. Das Einsetzen von KI für Recherche, während der Text selbst menschlich geschrieben wird. Das Generieren von Varianten, aus denen der Texter dann auswählt und anpasst.

In all diesen Fällen liegt die redaktionelle Kontrolle beim Menschen. Die Kennzeichnungspflicht greift nicht.

Was nicht funktioniert: KI-Output ohne eigene inhaltliche Prüfung veröffentlichen und behaupten, man habe redaktionelle Kontrolle ausgeübt. Das ist keine Ausnahme, das ist ein Verstoß.

Was das für Designer und Mediengestalter bedeutet

Für Designer ist die Lage etwas differenzierter, weil die Kennzeichnungspflicht bei Bildern andere Kriterien hat als bei Texten.

Bei Bildern gilt die Kennzeichnungspflicht, wenn sie reale Personen, Orte oder Ereignisse realistisch darstellen und fälschlicherweise als authentisch wahrgenommen werden könnten. Ein offensichtlich stilisiertes Illustration, eine abstrakte Grafik oder ein erkennbar generiertes Bild sind nicht kennzeichnungspflichtig.

Für Designer bedeutet das: KI-generierte Bilder, die klar als Illustration oder Design erkennbar sind, brauchen keine Kennzeichnung. Realistisch wirkende Fotos oder Darstellungen von Personen, die von KI erzeugt wurden, müssen gekennzeichnet werden.

Wer das Endprodukt gestalterisch überarbeitet und als Designer dafür einsteht, hat eine starke Position, auch wenn KI im Prozess eingesetzt wurde.

Was das für Übersetzer bedeutet

Für Übersetzer ist die Ausnahme besonders klar anwendbar. Wer maschinelle Übersetzung als Ausgangspunkt nutzt und den Text dann sprachlich, inhaltlich und kulturell prüft und überarbeitet, übernimmt redaktionelle Kontrolle im Sinne des EU AI Acts.

Post-Editing, also die menschliche Überarbeitung maschineller Übersetzungen, ist damit nicht nur ein legitimes Arbeitsmodell. Es ist explizit das Modell, das der EU AI Act als Grundlage für die Ausnahme vorsieht.

Übersetzer, die klarmachen, dass sie für jede Übersetzung die sprachliche und inhaltliche Verantwortung tragen, sind nicht nur compliant. Sie haben ein starkes Argument gegenüber Auftraggebern, die sich fragen, ob maschinelle Übersetzung ausreicht.

Was das für Journalisten und Redakteure bedeutet

Für Journalisten und Redakteure ist die Ausnahme explizit im Gesetz verankert. Die Verordnung nennt traditionelle Medienunternehmen, die KI-generierte Textbausteine verwenden, diese aber redaktionell überarbeiten und verantworten, als Beispiel für die Ausnahme.

Das bedeutet: Journalisten, die KI für Recherche, Strukturierung oder erste Entwürfe einsetzen, die aber für die finale Veröffentlichung die redaktionelle Verantwortung tragen, sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Was das voraussetzt: Dass diese Verantwortung tatsächlich wahrgenommen wird. Dass Fakten geprüft werden. Dass der finale Text eine menschliche Entscheidung darstellt, nicht einen ungeprüften KI-Output.

Warum die Ausnahme eine Chance ist, keine Hintertür

Manche lesen die Ausnahme als Möglichkeit, KI-Einsatz zu verschleiern. Das ist eine gefährliche Fehlinterpretation.

Die Ausnahme ist keine Hintertür. Sie ist die Anerkennung eines legitimen Arbeitsprinzips: Menschen, die KI als Werkzeug einsetzen und dabei die Verantwortung für das Ergebnis behalten, leisten etwas anderes als automatisierte Systeme ohne menschliche Kontrolle.

Wer die Ausnahme nutzt, ohne sie zu verdienen, riskiert nicht nur Bußgelder bei einer Prüfung. Er riskiert auch das Vertrauen seiner Auftraggeber, wenn herauskommt, dass die behauptete menschliche Kontrolle nicht wirklich stattgefunden hat.

Die Ausnahme ist eine Chance für die, die wirklich menschlich und verantwortungsvoll arbeiten. Für die anderen ist sie eine Falle.

Was Auftraggeber jetzt von Kreativen fordern werden

Auftraggeber, die Inhalte von externen Kreativen beziehen und diese veröffentlichen, tragen das Compliance-Risiko, wenn die redaktionelle Kontrolle nicht ausreichend war.

Das schafft einen konkreten Anreiz, von Kreativen zu fordern: Wer hat diese Arbeit verantwortet? Kannst du das nachweisen?

Kreative, die diese Frage klar und überzeugend beantworten können, die zeigen können, dass ihre Arbeit menschlich kontrolliert und verantwortet wurde, gewinnen den Auftrag gegenüber solchen, die diese Frage nicht beantworten können.

Der EU AI Act verändert damit, wie Kreative ihren Wert kommunizieren sollten. Nicht nur mit Portfolio und Referenzen. Sondern mit dem Nachweis, dass hinter ihrer Arbeit menschliche Verantwortung steckt.

Was du jetzt tun solltest

Drei konkrete Schritte, um als Kreativer vom EU AI Act zu profitieren statt unter ihm zu leiden:

Erstens: Dokumentiere deine Prozesse. Wie setzt du KI ein und wo liegt die menschliche Kontrolle? Das muss nicht öffentlich sein, aber es sollte klar sein, damit du es im Zweifelsfall belegen kannst.

Zweitens: Kommuniziere deine Verantwortung aktiv. Nicht als Reaktion auf KI, sondern als positives Signal: Hinter meiner Arbeit steht ein Mensch, der dafür einsteht. Das ist mehr wert als es auf den ersten Blick scheint.

Drittens: Schaffe Nachweise, keine Versprechen. In einem Markt, der nach verlässlichen Signalen sucht, ist ein verifizierbarer Nachweis menschlicher Verantwortung stärker als jede Selbstbeschreibung.

Warum das HUMAVE Label die Antwort auf den EU AI Act ist

Das HUMAVE Label ist genau das Signal, das der EU AI Act für die Ausnahme von der Kennzeichnungspflicht voraussetzt: ein nachweisbarer Beleg, dass hinter einer Leistung ein Mensch steckt, der die redaktionelle Kontrolle ausgeübt hat und die Verantwortung trägt.

Wer das HUMAVE Label trägt, kommuniziert gegenüber Auftraggebern nicht nur Compliance. Er kommuniziert das Vertrauen, das entsteht, wenn jemand wirklich für seine Arbeit einsteht.

In einem Markt, in dem der EU AI Act menschliche Verantwortung zum gesetzlichen Standard macht, ist das Label mehr wert als je zuvor.

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Wer wartet, bis der Markt Nachweise fordert,
hat bereits verloren.

Menschliche Arbeit lässt sich nicht generieren. Wer das nicht kommuniziert, konkurriert trotzdem mit denen, die es tun.

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